Intoleranz entsteht im Kopf – Offenheit auch

105

Interreligiöses Lernen in Theorie und Praxis
(Präsentation im September 2013 am Bergstadt-Gymnasium, Lüdenscheid – Achim Riggert)

1. Gründe und Hintergründe für die wachsende Bedeutung interreligiösen Lernens

1.1      Gesellschaftliche Entwicklung

  • Pluralität der Religionen und Kulturen ist verstärkt zu einem Kennzeichen der gesamten Gesellschaft geworden. Nicht mehr auf die großen Städte und Ballungszentren wie das Ruhrgebiet beschränkt (s. Sauerland, Werdohl). Andere Religionen und Kulturen verlieren zunehmend ihren früher exotischen Charakter, weil sie bei „Menschen von nebenan“, bei Nachbarn anzutreffen sind. Sie gehören zunehmend einfach zum Alltag.
  • Im Hintergrund stehen die Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte, die durch gravierende gesellschaftliche Umbrüche ausgelöst wurden (Ende der Commonwealth, Gastarbeiteranwerbung, Auflösung des Ostblocks, Globalisierung)
  • Im Ergebnis hat das dazu geführt, dass im Jahr 2009 ca. 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland lebten. Das sind knapp 20 % der gesamten Bevölkerung, also jeder 5.

1.2      Entwicklung in den Schulen

  • Diese allgemeine gesellschaftliche Entwicklung spiegelt sich auch in unseren Schulen wieder. Die Schülerschaft ist zunehmend multikulturell und multireligiös zusammengesetzt (natürlich mit starken Schwankungen, je nach den regionalen Gegebenheiten).
  • Dazu noch einmal eine aktuelle Zahl des Statistischen Bundesamtes: von den 11,3 Millionen SchülerInnen an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen in Dt. weisen 3,2 Millionen einen Migrationshintergrund auf. Das sind 28,6 %, also ein knappes Drittel der SchülerInnen in Deutschland. Die meisten von ihnen gehören dem Islam an. Noch nach Schulformen zu differenzieren: HS: 44,1 %; RS: 29,9 %; G: 24,3; zudem besonders stark in FS (überrepräsentiert!). Je höher die Schulform, desto weniger MH. (s. PISA-Ergebnisse).
  • Schule insgesamt und die Konzeption religiöser Bildung muss darauf reagieren! Die SchülerInnen brauchen Begleitung beim Umgang mit dieser Religionsvielfalt. Sie wirft viele neue Fragen nach dem Sinn und der Bedeutung von Religion auf. Und mit ihr sind Konflikte und Spannungen verbunden, die es zu lösen gilt (s. Kopftuchdebatte, Diskussion über Beschneidung usw.). Eine wichtige Herausforderung dabei ist, mit dieser Vielfalt leben zu lernen und sie nicht in erster Linie als Bedrohung, sondern als Chance und Bereicherung zu verstehen (entgegen fundamentalistischer Tendenzen!). Dementsprechende Konzepte im RU erfüllen zugleich eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe:

1.3      Religion und Gesellschaft

Denn spätestens seit dem 11. September 2001 ist in der Öffentlichkeit verstärkt deutlich geworden, dass Religion in den Konflikten und Herausforderungen der Gegenwart eine wichtige Rolle spielt. Dabei macht sie insgesamt einen höchst ambivalenten Eindruck: Einerseits leistet sie wichtige Beiträge für Frieden und Gerechtigkeit (s. z.B. die Rolle der Kirchen in Friedensbewegungen, bei der Wende). Andererseits sind sie immer wieder in Gewaltakte und Konflikte verwickelt (s. z.B. Nordirland-Konflikt, Palästina-Konflikt oder auch der Bürgerkrieg in Sri Lanka, in dem selbst der oftmals als besonders friedlich angesehene B. tief in Gewalt verstrickt ist). Handelt es sich dabei nur um einen Missbrauch von Religion? Oder ist Gewaltausübung in ihren Traditionen und den Ansprüchen und Einstellungen ihrer Anhänger selbst angelegt (s. Bsp. Öl-Wasser)?

In jedem Fall zeigt sich, dass die Art und Weise wie Vertreter unterschiedlicher Religionen miteinander und mit anderen umgehen, entscheidend zum Frieden oder Unfrieden in einer Gesellschaft beitragen können. Hier gibt es, denke ich, viel aufzuarbeiten, zu lernen und auch zu verändern. Dieser wichtigen Herausforderung muss sich auch der RU verstärkt stellen.

2. Konzepte interreligiösen Lernens von den Anfängen bis heute

Auf diese Herausforderung will nun der Ansatz des sogenannten „interreligiösen Lernens“ eine Antwort geben. Was ist darunter zu verstehen?

Wie eben schon angedeutet, geht es dabei zunächst ganz generell um die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Religionen bzw. das Lernen im Dialog mit anderen Religionen, angesichts ihrer Vielfalt. Im Einzelnen hat der Religionspädagoge Ulrich Kropac darüber hinaus den Vorschlag gemacht, zwischen IRL im weiteren, allgemeinen und im engeren Sinne zu unterscheiden. Dabei ist unter IRL im weiteren, allgemeinen Sinne ein L über eine andere Religion zu verstehen (also mehr informierend, z.B. in Form des Ansehens eines Films oder Zeitungsberichts über .. ), währende IRL im engeren Sinne eher ein Lernen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen meint, das ein Zusammenleben zwischen ihnen voraussetzt oder anstrebt. (Lernen in direkter Begegnung, Interaktion, Mitleben/Konvivenz)

Der Begriff des IRL für diesen pädagogischen Ansatz hat sich erst in den 90er Jahren eingebürgert. Die Vorläufer seit den 60er Jahren standen noch unter anderen Vorzeichen, eben auch inhaltlich.

Zunächst wurden in den 60er Jahren Schulbücher mit authentischen Zeugnissen aus den Weltreligionen entwickelt. Diese Wertschätzung authentischer Zeugnisse aus anderen Religionen war damals neu, war aber noch ganz von dem Interesse geprägt  das Besondere, und eher Überlegene des Christentums herauszustellen (im Ggü. und Vergleich).

Ein zweiter Schritt war dann der sogenannte religionskundliche Ansatz, der vor allem das Verbindende zwischen den WR herausstellen wollte. In diesem Ansatz ging es verstärkt um möglichst wertneutrale Information und um ein wirkliches Kennenlernen der anderen Traditionen.

Dieser Ansatz wurde dann in den 90er Jahren – parallel mit der verstärkten Verwendung des Begriffs IRL –  in Richtung eines sogenannten Begegnungslernens weitergeführt. Wie diese Bezeichnung schon sagt, richtete man das Augenmerk jetzt darauf, mittels authentischer Begegnungen etwas über die anderen religiösen Traditionen in Erfahrung zu bringen und zu lernen (z.B. Moscheen erkunden, Feste mitfeiern, Gespräche führen).  (Ev.: Johannes Lähnemann; Kath.: Stephan Leimgruber).

Es ging jetzt verstärkt darum, einen wirklichen Dialog mit der jeweils anderen Tradition anzubahnen. Ziel sollte die gegenseitige Bereicherung und Erweiterung des Horizonts sein. Ebenso das Ausloten von Möglichkeiten der Zusammenarbeit angesichts gemeinsamer globaler Herausforderungen, wie es parallel der katholische Theologe Hans Küng in seinem Projekt „Weltethos“ zum Thema gemacht hat.

Einen weiteren Schritt stellte dann nach 2000 die Aufnahme von Konzepten aus Großbritannien dar. Dort ist schon in den 90er Jahren das Konzept „A Gift to the Child“ entwickelt worden, das die SchülerInnen selbst und was sie von den Religionen für ihr eigenes Leben lernen können, in den Mittelpunkt stellt. Ich kann dieses Konzept hier jetzt nicht im Einzelnen darstellen. Ich möchte damit nur darauf hinweisen, dass gerade aus dem englischsprachigen Raum einige wichtige Impulse für IRL im RU kommen. Dies gilt insbesondere für GB, wo die religiöse Vielfalt noch viel stärker ausgeprägt ist als bei uns und wo es auch ein anderes, multireligiöses Konzept für den RU gibt.

Soweit der kurze Blick auf die Entwicklung der Konzepte zum IRL.
(Benutzte Quelle für die Darstellung in den ersten beiden Abschnitten: M. Schambeck, Interreligiöse Kompetenz, 2013)

Nun konzentriert sich die heutige Diskussion über Ziele von Unterricht ganz allgemein auf  sogenannte Kompetenzen, die entwickelt und gefördert werden sollen. Damit sind – grob gesagt – bestimmte Fähigkeiten zur Bewältigung oder Lösung bestimmter Probleme und Aufgaben gemeint. Solche Kompetenzen werden jetzt auch im Blick auf das IRL entwickelt und diskutiert und es gibt dazu inzwischen verschiedene Konzepte. Diese Kompetenzen bringen die Ziele des IRL noch einmal etwas genauer auf den Punkt. Ich möchte deshalb jetzt einige davon, die mir besonders wichtig erscheinen, herausgreifen und kurz erläutern. (Ich beziehe mich dabei hauptsächlich auf Aufstellungen von Leimgruber und Kiechle/Ziebertz).

1) Interreligiöse ästhetische Kompetenz  (rel. Zeugnisse wahrnehmen)

  • Zeugnisse, Phänomene, Personen achtsam wahrnehmen (ohne gleich zu bewerten)
  • Genaues, möglichst vorurteilsfreies Hinschauen
  • Fremdes als Fremdes wahrnehmen, Besonderheiten, Spezifisches entdecken
  • Bezug: Hl. Schriften, Sakralräume

2) Interreligiöse inhaltliche Kompetenz (rel. Texte einordnen und deuten)

  • Verstehen anderer Religionen als Glaubenssysteme, Überzeugungen und Traditionen
  • Erkennen der Unterschiede/Gemeinsamkeiten mit der eigenen Tradition im Vgl.
  • Orientierung, Beachtung der Rangordnung der Teilwahrheiten (Bsp. Gebetshaltungen)

3) Interreligiöse Interaktions- und Dialogfähigkeit

die Fähigkeit, eine eigene Position auszubilden und diese im Dialog mit anderen Konzepten und Vorstellungen einzubringen, sich an diesen zu reiben und miteinander in einen wahrheitsorientierten Dialog einzutreten (durch Begegnung lernen)

4)  Fähigkeit zum Perspektivenwechsel:

die Fähigkeit, die eigene Religion mit den Augen des Anderen und die fremde Religion mit den Augen des in ihr Stehenden zu sehen. Hieraus erwächst eine neue Perspektive, in der es gelingen kann, in die Welt des anderen einzutreten, sie mit den Augen des anderen zu sehen als ob es die eigene Welt wäre – ohne allerdings zu vergessen, dass es sich dabei um ein „Als-Ob“ handelt. (Fremdheit abbauen und zugleich bleibende Fremdheit respektieren lernen)

5) Ambiguitätstoleranz:

  • die Fähigkeit, Differenzen und Spannungen im Verhältnis zu den anderen Traditionen wahrzunehmen, auszuhalten und sich – wenn möglich – darüber verständigen zu können. Dabei geht es entscheidend auch um die Gefühlsebene.
  • Beispiel: Beschneidung .. gemischte Gefühle.
  • Nicht hilfreich, solche Gefühle aus Gründen der religionspolitischen Korrektheit o.ä. einfach überspringen oder wegzuwischen. Erst einmal wahrnehmen und zulassen. Nur so findet sich dann eine Lösung, ein Ja, mit dem ich dann auch wirklich zufrieden bin.

6) Fähigkeit zur Selbstdistanz und Selbstrelativierung:

  • die Fähigkeit, die persönliche und kulturelle Bedingtheit der eigenen Überzeugung zu erkennen (spezifische Erfahrungen, Traditionen, soziale und politische Umstände).
  • Einsicht, dass meine Überzeugung zunächst nur einePerspektive unter vielen anderen möglichen ist.
  • Anerkenntnis möglicher Irrtümer, Verirrungen in der eigenen Tradition. Woraus dann auch die Bereitschaft zur Selbstkritik erwächst.
  • (wichtig Im Blick auf Fundamentalismus!!!)

7) Interreligiöse Handlungskompetenz

  • Fähigkeit gemeinsam zu handeln, d.h. gemeinsame Verantwortung für gemeinsame Probleme in Stadt, Land und der Welt insgesamt wahrzunehmen (Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung)
  • Fähigkeit zu Projekt und Teamarbeit; Ethische Kompetenz

Diese Kompetenzen können im Rahmen sehr unterschiedlicher inhaltlicher Themen und Projekte eingeübt werden. Ich selbst mache z.B. häufiger UE zu zentralen Lebensthemen (z.B. Umgang mit Tod und Sterben, Leben nach dem Tod, das Verständnis von Gott u.a.), in denen wir dann Texte, Gebote, Rituale aus unterschiedlichen Traditionen zum Thema machen, miteinander vergleichen etc.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf die Frage eingehen, welches Ziel das IRL letztlich verfolgt. Dabei geht es nochmal um die bis heute umstrittene Frage des Verhältnisses der Religionen zueinander. Geht es letztlich darum, dass die SchülerInnen alle Religionen, überhaupt alle Glaubensweisen für gleichwertig ansehen? Dies würde insbesondere neueren Konzeptionen der sogenannten pluralistischen Religionstheologie (Kurze Erläuterung .. ) entsprechen. Und kommt auch der Voreinstellung vieler SchülerInnen sehr nahe: Wenn man sie fragt, vertreten sie meistens die Auffassung, dass man verschiedene Glaubensweisen und Überzeugungen als gleichwertig anerkennen sollte (s. eigene Erfahrung und empirische Studien).

Aber damit können auf der anderen Seite auch Gleichgültigkeit und Indifferenz einhergehen, im Sinne eines unreflektierten „Anything goes“.

Von daher braucht es neben Offenheit und Toleranz auch eine gute Verankerung in der eigenen Tradition, die diese wirklich ernst nimmt. Erst dann kommen im Vergleich sowohl die Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zu anderen Religionen richtig zur Geltung und es wird spannend und es sind nicht einfach alle Katzen grau.. . Denn es kann gerade auch entscheidendes anhand bleibender Unterschiede und Differenzen gelernt werden (Wer bin ich im Unterschied zu den anderen? Was kann ich ergänzend von ihnen lernen usw.?).

Diese Haltung entspricht auch am ehesten den Rahmenbedingungen des RU in Deutschland, der ja weiterhin überwiegend konfessionell angelegt ist  (Ausnahme: Hamburger Modell, das sich an Konzepte aus GB anlehnt).

Dieser RU kann und muss allerdings insgesamt noch viel stärker in Richtung eines interreligiös- kooperierenden Unterrichts entwickelt werden, in dem verschiedene Religionen und Konfessionen den RU gemeinsam im Rahmen einer Fächergruppe verantworten. Initiativen in diese Richtung gibt es bereits (s. ARI = AG Religion und Integration).

Nun genug der Theorie und zu „Best-Practice“-Beispielen.

3. „Best Practice“- Beispiele (Unterrichtsprojekte u.a.)

3. 1.  Kleinere Schritte, Aktionen im normalen Unterrichtsalltag

  • Organisation von Begegnungen mit Vertretern, Orten anderer Religionen (Moschee/Synagoge, Gespräche; Feste)
  • „Königsweg Begegnung“ (s. eigene Erfahrungen Hindu-Tempel Hamm; Sufi-Zentrum im Hunsrück)
  • Schatzkisten der Religionen (s. Rel.wiss. Institut in Marburg, Mediotheken)
  • Interreligiöse Behandlung einzelner Themen (s.o.) – u.U. produktorientiert: Ausstellung, Zeitung u.ä.
  • Kooperationsphasen mit par. Katholischen RU (z.B. zum Thema Reformation oder ethisch kontroverse Themen)
  • UE anhand eines Leitmediums. Z.B. des Films „Almanya“ (sehr geeignet zum Thema Verhältnis zwischen Deutschen und Türken, Integration, Identität)

3. 2. Größere Projekte

  • „Tisch der Religionen“ (Do). Im BK (BGJ). Voraussetzung: multirel. Zusammensetzung der Sch. Symbol des gem. Tisches. Gleichberechtigung unter Anleitung des Lehrers. Themen werden gem. verabredet und geplant. Konsequent interreligiös.
  • Projekt „8ten und stärken, Offenbach (s. Vorlage)
  • Einzelne Module: Andalusien, Toleranz („Brokeback-Mountain“) u.a.
  • Projekte im Rahmen des “Trialog der Kulturen-Schulwettbewerbs“ der Quandtstiftung (Gelder für Projekte, die interreligiöses Lernen hinsichtlich der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam fördern)
  • Bsp.: Religiöse Speisetraditionen, Formen der Problem und Konfliktlösung, Entwicklung einer Internetseite (Fotostories), Theaterstücke (Thema: Wie entsteht Gewalt zwischen Religionen)

3. 3.  Engel der Kulturen

  • Kurze Einleitung: Aktion in Lüd. und am BGL.
  • PP-Präsentation

3.4  Vorstellung des Konzepts von Gedenkgängen mit Schülerinnen und Schülern in der Innenstadt Lüdenscheids

  1. Tischvorlage (zum Mitlesen)

Ausgehend von der Intarsie des Engels in der Innenstadt, haben wir (das IRF) jetzt eine Idee entwickelt, wie wir diese pädagogisch nutzen können. Und zwar in Verbindung mit zwei Gedenkorten in der Innenstadt: den Gedenkzellen im Alten Rathaus und der Gedenktafel für die frühere Synagoge in Lüd. in der Corneliusstr.

Die Gedenkzellen im Alten Rathaus, in denen in der NS-Zeit Menschen inhaftiert wurden, und die Gedenktafel stehen dabei für die dunkle Vergangenheit des Rassenhasses, der Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland, die uns zu einer Umkehr und Änderung auffordern. Der EdK bringt dann stärker zum Ausdruck, worauf es heute auf diesem Hintergrund ankommt: Nein zu Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz, Ja zu Toleranz, kultureller und religiöser Vielfalt und dementsprechender Suche nach Gemeinsamkeit und gegenseitiger Bereicherung.

Dementsprechend sollen dann in einem etwa einstündigen Gang die drei Stationen besucht werden (in Teilgruppen oder als ganze Gruppe; die Reihenfolge kann variieren)

Die Stationen

1. Jüdische Gedenktafel

1.1 Seit 1690 Juden in Lüdenscheid als Teil der Gemeinde in Altena, 1901-1936 eigenes Bethaus (Ort der Tafel), 1933 wohnen 114 jüdische Nachbarn in Lüdenscheid

1.2 Stationen der Verfolgung bis 1939: Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 auch in Lüdenscheid; Entlassung jüdischer Beamter, Aberkennung der Zulassung jüdischer Anwälte und Ärzte, Ausschluss von Juden aus kulturellen Berufen 1933; 1935 Nürnberger Gesetze;  August/Oktober 1938: Jüdinnen und Juden müssen zusätzlich die Vornamen „Sara“ und „Israel“ führen, ihre Pässe erhalten das Kennzeichen „J“; Reichspogromnacht 9./10. November 1938

1.3 Stationen der Verfolgung während des Krieges: Judenstern in Deutschland im September 1941; Beginn der Deportationen aus Deutschland im Oktober 1941; 20. Januar 1942: Wannsee-Konferenz („Endlösung der europäischen Judenfrage“); 28. April 1942: Große Deportation aus dem Regierungsbezirk Arnsberg nach Zamosc in Polen

1.4 Bilanz des Schreckens: 46 der 114 jüdischen Nachbarn werden unter dem Nationalsozialismus ermordet

1.5 Verweis auf Gedenkzellen

2 Gedenkzellen

2.1 Gedenkstätte: Flur und zwei Zellen, ca. 40 qm; Ausstattung: Gedenktafeln, Touchscreen, Hörstation

2.2 Erste Zelle: Jüdische Opfer, aber auch zwei der seltenen Helfer; für Schüler besonders eindringlich: Tafel „Jüdische Kinder“; Kultgegenstände in der Vitrine

2.3 Zweite Zelle: Politisch Verfolgte (Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Zeugen Jehovas)

2.4 Flur: Gedenken an Opfer der Euthanasie und der Zwangsarbeit; kommentierter Stadtplan

3. Intarsie „Engel der Kulturen“

3.1 Intarsie erläutern anhand der Konturen eines Engels

3.2 Engel als Mittler zwischen Gott und den Menschen in allen drei abrahamitischen Religionen

3.3 Die Künstler Gregor Merten und Carmen Dietrich

3.4 Aktionen vor Ort: Einlassen der Intarsie – Ring für die nächste Stadt (Hattingen)

3.5 Die „Engel der Kulturen-Säule“ für Jerusalem

3.6 Zusammenfassung: Eckdaten eines friedlichen Zusammenlebens

4.  Aussprache, Diskussion

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here