Lebendig und abwechslungsreich – INTR°A-Tagung 2019 in Münster mit Projektpreisverleihung u. Mitgliederversammlung

215
Bild: M. Mertek

“Die Tagung war sehr lebendig, abwechslungsreich und interessant”, sagte ein Teilnehmer stellvertretend für andere im Anschluß. Neben den inspirierenden Vorträgen und Gesprächsrunden zum Thema “Aus mehreren Quellen schöpfen” beeindruckten insbesondere die beiden Preisträger Maria 2.0 und das interkulturelle und interreligiöse Musikprojekt ensemble marsaleko, das die Tagung mit einigen Stücken aus ihrem Repertoire bereicherte.

Nach Begrüßung und kurzer Einführung ins Thema von mir hielt der niederländische Experte Dr. Marien van den Boom, der zugleich Vorstandsmitglied von INTR°A ist, zum Einstieg einen Vortrag, der das Thema religiöser Mehrfachzugehörigkeit facettenreich und spannend vor Augen führte, wobei er insbesondere auf spezifische Entwicklungen und Beispiele in den Niederlanden einging. Den ganzen Vortrag mit einführenden Bemerkungen finden Sie, gesondert auf unserer Homepage, hier .
Im Anschluss an die Ausführungen van den Booms vertiefte Prof. Dr. Schmidt-Leukel aus Münster in seinem Vortrag das Thema, indem er u.a. auf die Frage einging, was überhaupt religiöse Zugehörigkeit bedeutet und welche ausgeprägten Modelle einer Doppelzugehörigkeit (z.B. christliche und jüdische Buddhisten) gegenwärtig zu beobachten sind. Den Vortrag mit einführenden Bemerkungen finden Sie, ebenfalls gesondert auf unserer Homepage, hier . Weitere Informationen zur Arbeit von Prof. Schmidt-Leukel, der auch langjähriges INTR°A-Mitglied ist, finden Sie hier .

Nach der Mittagspause bereicherte der Lichtkünstler Leo Lebendig aus Dortmund, der zugleich langjähriges aktives Mitglied bei INTR°A ist, die Tagung mit einer Einlage, in der er sein jüngstes Projekt im Westfalenpark in Dortmund (Friedensgang der Religionen – “Rings of Peace”) und sein neues Projekt zu Hiroshima im März nächsten Jahres (“Rings of Love”) vorstellte. Einen ausführlicheren Bericht mit weiteren Hintergrundinformationen zu dem Beitrag und den Aktivitäten von Leo Lebendig finden Sie, auch gesondert auf unserer Homepage, hier .

Im Anschluss an die Einlage von Leo Lebendig nahmen in einer erste Gesprächsrunde die Studierendenpfarrerin Annika Klappert und zwei Studentinnen aus dem Umfeld der ESG Stellung zum Thema. Sie signalisierten großes Interesse und Offenheit für andere religiöse Traditionen als die eigene, evangelische und konnten auch von einigen Erfahrungen in dieser Hinsicht, z.B. im Kontext des interkulturell und interreligiös geprägten Volkening-Wohnheims,  berichten. Dementsprechend votierten sie für weitere Schritte in dieser Richtung, legten jedoch zugleich Wert auf eine gute, bleibende Verankerung in der eigenen Tradition. Weitere Informationen zu der stark interkulturell und interreligiös geprägten Arbeit der ESG in Münster finden Sie hier .

In einer zweiten Gesprächsrunde berichteten die Studentin Stella Senel, die als ursprünglich evangelische Christin zum Islam konvertiert ist, und Werner Heidenreich, der – aus ebenfalls ursprünglich evangelischer Zugehörigkeit – zum Buddhismus konvertiert ist, von ihren Erfahrungen im Spannungsfeld verschiedener Zugehörigkeiten. Stella Senel, die in Münster für islamische Studien eingeschrieben ist, betonte u.a. – neben den Gründen, die sie zur Konversion motiviert haben – die bleibenden Gemeinsamkeiten zwischen Islam und Christentum. Diese zeigen sich ihrer Meinung nach darin, dass oftmals gleiche Grundanliegen, wie zum Beispiel die Nächstenliebe, nur unterschiedlich zum Ausdruck gebracht und anders gewichtet werden. Werner Heidenreich stellte als zentralen Grund für seinen Wechsel zum Buddhismus vor allem die Gottesfrage heraus, betonte aber zugleich, dass für ihn Labels wie “Buddhist sein” oder ähnliches nicht entscheidend sind.

Während der Gesprächsrunden gelang es zwischendurch eine Schaltung zur Feier des 75. Geburtstags des langjährigen Mitglieds des INTR°A-Vorstands Bart ten Brook hinzubekommen. Reinhard Kirste und ich gratulierten herzlich – verbunden mit Dank und Würdigung für Bart’s jahrelange interreligiöse Arbeit im Rahmen von INTR°A und darüber hinaus!

Zum Abschluss des themenbezogenen Teils der Tagung gab schließlich der Geschäftsführer des ev. Bildungswerkes in Münster Dr. Jens Dechow in einem Impulsvortrag Denkanstöße dazu, was die sich verändernden, pluralisierten religiösen Selbstverständnisse für die Bildungsarbeit, insbesondere den Religionsunterricht, bedeuten könnten. Er entwickelte in diesem Zusammenhang u.a. eine eindrückliche Vision dazu, wie der Religionsunterricht in Zukunft aussehen könnte. Den vollständigen Text des Impulsvortrags mit einführenden Bemerkungen finden Sie, ebenfalls gesondert auf unserer Homepage, hier .

Nach einer Kaffeepause schloss sich dann die in vielerlei Hinsicht beeindruckende Verleihung des diesjährigen INTR°A-Projektpreises an die in Münster begründete Initiative “Maria 2.0” und das ebenfalls in Münster begründete Musikprojekt “ensemble marsaleko” an. Die damit verbundenen Laudatios und Dankreden werden auf unserer Homepage gesondert, mit einführenden Bemerkungen, dokumentiert: Die Beiträge zur Verleihung an “Maria 2.0” finden sie hier , die Beiträge zur Verleihung an das “ensemble marsaleko” hier .  Einen Bericht der Münsterschen Zeitung zu unserer Veranstaltung, der sich auf die Preisverleihung konzentriert und zeitnah veröffentlicht wurde, finden Sie hier .

Der spannende und facettenreiche Tag in Münster klang dann mit der Mitgliederversammlung von INTR°A aus.

Achim Riggert