Schalom – Grußwort zu Rosch HaShana 2022

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Anbei das diesjährige Grußwort der Kirchen in NRW zu Rosch Ha Schana, dem jüdischen Neujahrsfest, das uns aus dem Herzen spricht und dem wir uns gerne anschließen.

Rosch HaSchana  5783 | 2022

Grußwort der evangelischen Landeskirchen und der katholischen Bistümer
in Nordrhein-Westfalen

Liebe Jüdinnen und Juden in Nordrhein-Westfalen,
„Schalom“ – „Friede sei mit euch“ lautet der biblische Gruß, der uns verbindet. Mit Beginn des Angriffs Russlands auf die Ukraine erfahren wir auf schreckliche Weise, wie zerbrech-lich und kostbar zugleich Frieden in der Welt ist. Dieser Krieg hat zu unsäglichem Leid, zu Flucht und Vertreibung von Millionen von Menschen geführt. Krieg und Zerstörung wirken sich auf die ganze Welt aus, gerade auf die unter Armut und Hunger besonders leidenden Menschen in vielen Krisengebieten der Erde.

Gleichzeitig erleben wir eine große Hilfsbereitschaft in Deutschland. Viele Menschen betei-ligen sich an Hilfsaktionen und setzen sich für ukrainische Geflüchtete ein, die in den ver-gangenen Monaten unser Land erreicht haben. Unter denen, die sich hier engagieren, sind viele jüdische Gemeinden, Institutionen und Einzelpersonen. Ein Grund für diese Unterstüt-zung liegt sicherlich darin, dass viele Jüdinnen und Juden selbst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts aus der Ukraine, Russland und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken in die Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind. Dank der jüdischen Gemeinden sind viele hier heimisch geworden; die engen Beziehungen zu ihren Ursprungsländern sind aber geblieben.

Zugleich erinnern uns diese Ereignisse auf schmerzliche Weise daran, dass die Situation von Flucht und Vertreibung für Jüdinnen und Juden über Jahrhunderte hinweg zu ihrer Geschichte gehörte. In der jüdischen Tradition erinnern wichtige Feiertage daran. An Pessach wird beispielsweise der Flucht aus Ägypten gedacht, zu Sukkot sitzen Jüdinnen und Juden in der Laubhütte und denken an die 40-jährige Wanderung durch die Wüste, an Tischa B’Aw trauern Jüdinnen und Juden über die Zerstörung des Tempels. Auch später lebte die Mehrheit der Jüdinnen und Juden in der Diaspora, oft unter unsicheren Verhält-nissen. Als Christinnen und Christen bekennen wir, dass wir oft für Flucht und Vertreibung, für Unsicherheit und Ungerechtigkeit verantwortlich waren. Zunehmend lernen wir hieraus.

Wir teilen mit dem Judentum die Hoffnung, dass ‚Schwerter zu Pflugscharen‘ umgeschmiedet werden (Jesaja 2,4). Uns allen gilt Gottes Auftrag, Liebe zu üben in einer oftmals lieblosen Welt. So lassen Sie uns im Angesicht des Krieges gemeinsam Zeichen des Friedens setzen, Licht in die Dunkelheit bringen und uns der Schwächsten in unserer Gesellschaft annehmen: „Schalom aleichem“ – „Friede sei mit euch“!
In diesem Sinne grüßen wir Sie herzlich und wünschen Ihnen „Schana tova umetukka“, ein segensreiches neues Jahr 5783.

Bischof Dr. Helmut Dieser, Bistum Aachen
Bischof Dr. Felix Genn, Bistum Münster
Präses Dr. h.c. Annette Kurschus, Evangelische Kirche von Westfalen
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Bistum Essen
Präses Dr. Thorsten Latzel, Evangelische Kirche im Rheinland
Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbistum Köln
Landessuperintendent Dietmar Arends, Lippische Landeskirche
Erzbischof Hans-Josef Becker, Erzbistum Paderborn