Tag der Befreiung – Gedenken an 8. Mai 1945

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Vor 75 Jahren endete der von den Nazis in deutschem Namen vom Zaum gebrochene Zweite Weltkrieg. Millionen Menschen kamen in ihm zu Tode. Das Ende des Krieges bedeutete die Befreiung Deutschlands und zahlreicher besetzter Terretorien von der Diktatur der Nationalsozialisten. Ihr Rassenwahn forderte ebenfalls millionenfache Opfer, unter ihnen rund 6 Millionen Jüdinnen und Juden.

Vor 35 Jahren hat der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 8. Mai diesen Tag erstmals als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus gewürdigt und damit einen Perspektivwechsel vollzogen. Er hat darin – stellvertretend für ganz Deutschland – zum Ausdruck gebracht und festgeschrieben, dass die Jahre 1933-1945 nichts anderes als ein Kapitel tiefer Gefangenschaft in Verirrung, Schuld und Verbrechen waren.

Wenn Alexander Gauland dagegen weiterhin in diesen Tagen öffentlich verbreitet, dass der Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland vor allem eine „große Niederlage“ war, liefert er einen neuen Beweis für die unglaubliche und unverantwortliche Geschichtslosigkeit seiner Person und seinesgleichen. Auch manche andere würden lieber einen „Schlussstrich“ unter dieses dunkelste Kapitel deutscher Geschichte ziehen, doch die Auseinandersetzung damit muss weitergehen. Gerade auch in den jüngeren Generationen muss die Erinnerung an die Verirrungen und Verbrechen dieser Zeit wachgehalten werden, um daraus für die Zukunft zu lernen.

Für ein solches Wachhalten setzt sich exemplarisch die 1958 gegründete “Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste” (ASF) ein, die seit Anfang der 1960er Jahre junge Menschen in die Länder schickt, die vom deutschen Faschismus am meisten betroffen waren, um dort in Aufbauprojekten und sozialen Einrichtungen zu arbeiten.
ASF engagiert sich auch für eine andere Erinnerungskultur und gegen Rechtsextremismus und veröffentlicht dazu immer wieder Stellungnahmen und Materialien. Ein weiterer Schwerpunkt ist – auf dem Hintergrund der Shoah – die Erneuerung des Verhältnisses zwischen Christen und Juden und der Einsatz gegen jegliche Form von Antisemitismus.
Auch zum 8. Mai 1945 hat ASF jetzt Stellung genommen und nachdenkenswerte Texte veröffentlicht. Beides finden Sie hier.

Achim Riggert, INTR°A