Stellungnahme des Interreligiösen Friedensnetzwerks Bonn u.a. zum Anschlag auf die Versammlung der Zeugen Jehovas in Hamburg

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Stellungnahme des Interreligiösen Friedensnetzwerks Bonn und Region und weitere Stellungnahmen und Informationen zum Anschlag auf die Versammlung der Zeugen Jehovas in Hamburg

Am Donnerstag, dem 9.3.2023 ermordete ein Mann sieben Teilnehmer*innen an einer Zusammenkunft der Zeugen Jehovas in Hamburg, darunter einen ungeborenen Fötus, und verletzte neun weitere, einen davon lebensgefährlich, bevor er sich selbst das Leben nahm.

Wir, das Interreligiöse Friedensnetzwerk Bonn und Region trauern mit den Angehörigen der Opfer und sprechen ihnen unser tiefstes Mitgefühl aus. Möge Ihr Glaube ihnen helfen, diesen unsäglichen Schmerz zu ertragen und zu überwinden und mögen die Ermordeten im Jenseits finden, was sie sich in ihrem Glauben erhofft haben!

Erschrocken sind wir von einigen journalistischen Beiträgen, die nicht nach den Opfern fragen und auch wenig nach dem Täter, sondern danach, inwiefern die Zeugen Jehovas eine Religionsgemeinschaft mit Missständen ist. Die alte Sektendebatte wird wieder heraufbeschworen. Die Zeugen Jehovas in Hamburg haben das Gefühl einer Täter-Opfer-Umkehr. Sicher darf oder gar muss man Religionsgemeinschaften wie alle anderen Gemeinschaften auch kritisch betrachten und fragen, welche Werte sie vertreten und ob sie mit den je eigenen Werten übereinstimmen oder nicht. Da bilden die Zeugen Jehovas keine Ausnahme. Aber nach einem solchen Mordanschlag dieser Religionsgemeinschaft sozusagen die Schuld an dem Mord zuzusprechen, weil sie dies oder jenes falsch macht, weil sie so oder so mit ihren Mitgliedern umgeht oder so oder so über Andersgläubige denkt, ist nicht der richtige Zeitpunkt.

Das Interreligiöse Friedensnetzwerk Bonn und Region tritt ein für den Frieden zwischen den Menschen und ihren Religionen und zu diesem Frieden gehört die Solidarität mit Opfern von Gewalt. Deshalb rufen wir dazu auf, mit den Opfern zu fühlen und Kritik an ihrer Religionsgemeinschaft zu verschieben, bis die Zeit die schlimmsten Wunden geheilt hat. Und wenn man dann kritisiert, sollte man das differenziert und sachlich tun und nicht in eine Sektenhysterie verfallen.

Bonn, Siegburg, 16.03.2023
https://ifn-bonnregion.jimdofree.com/

Nähere Infos zu der für Sonntag, den 19.03. geplanten Gedenk- und Trauerfeier in Hamburg finden Sie hier.

Eine weitere, noch detailliertere Stellungnahme des “Arbeitskreises Religion und Psychatrie” in Berlin zu dem Amoklauf finden Sie hier .