Antisemitismus heute – Alte Muster in neuem Gewand?! – INTRA im Gespräch am 15.02.2024

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INTR°A im Gespräch

… mit Dr. Hans-Christoph Goßmann – Pfarrer und Leiter der Jerusalem-Akademie in Hamburg

„Antisemitismus heute – alte Muster in neuem Gewand?!“

Donnerstag, 15. Februar um 17:30 – 19:00 Uhr (Digital per ZOOM)

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“ schrieb Bertold Brecht bereits vor über 80 Jahren mit verhüllter Bezugnahme auf die Nazis und damit auch auf den Antisemitismus. Dies gilt in diesen Tagen, nach den menschenverachtenden Terroranschlägen der Hamas und der daraus resultierenden kriegerischen Auseinandersetzung in Israel/Palästina, leider wieder in besonderer Weise: Jüdische Menschen werden in Deutschland und Europa verstärkt angefeindet. Viele von ihnen trauen sich deshalb kaum noch in die Öffentlichkeit, fühlen sich genötigt ihr jüdisch Sein zu verbergen. Jüdische Synagogen und Einrichtungen müssen noch stärker als ohnehin schon geschützt werden, wofür sich in dieser Zeit zum Glück der Staat zuständig erklärt.

In welchen Formen und Spielarten zeigen sich Antisemitismus und Judenfeindschaft heute im Einzelnen? Hat sich etwas im Vergleich zu früheren Jahren und Jahrhunderten verändert? Oder sind die prägenden Muster und Inhalte im Wesentlichen gleich geblieben?

Um diese und ähnliche Fragen ging es am 15.02. in dem Impulsvortrag von Hans-Christoph Goßmann und dem anschließenden Gespräch mit ihm.
Goßmann machte zu Beginn seinen persönlichen Zugang zum Thema deutlich und ging dann auf die aktuelle Situation in Deutschland ein. Weitere Schwerpunkte seiner Einführung waren die strittige Frage der Definition des Antisemitismus und des fatalen Beitrags der Kirchen zur Judenfeindschaft, der sich vor allem in ihrem über Jahrhunderte gepflegten Antijudaismus begründet. Das Gespräch drehte sich dann im Einzelnen u.a. um die gegenwärtige Wahrnehmung des Antisemitismus – insbesondere aus der Perspektive unterschiedlicher Religionsgemeinschaften. Zum Schluß wurde auch die Frage erörtert, was jetzt konkret zu tun ist, z.B. in Schulen, um Antisemitismus zu überwinden bzw. einzudämmen.

Wir haben den Impulsvortrag und das Gespräch aufgezeichnet. Die Aufzeichnung finden Sie hier .

Dr. Hans Christoph Goßmann, der u.a. evangelische Theologie und Judaistik studiert hat, ist seit 2008 Pfarrer der Jerusalem-Kirche in Hamburg, deren Schwerpunkt insbesondere der christlich-jüdisch Dialog ist. An diese Kirche ist dementsprechend seit 15 Jahren eine Akademie (die „Jerusalem-Akademie“) angesiedelt, in deren Rahmen Goßmann seit Bestehen zahlreiche Bücher und Sammelbände zu Themen des christlich-jüdischen Dialogs und darüber hinaus herausgegeben hat. Goßmann ist derzeit außerdem ev. Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit in Hamburg, hat einen Lehrauftrag an der dortigen Universität inne und ist seit kurzem auch als Privatdozent an der Universität Paderborn tätig.