Weltbekannter katholischer Theologe und Pionier des interreligiösen Dialogs Hans Küng gestorben

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Hans Küng hat wie kaum ein anderer Theologe seit Mitte des 20. Jahrhunderts bis heute die Frage nach der Wahrheit des christlichen Glaubens in der von Vernunft und Naturwissenschaft geprägten Gegenwart gestellt und dazu umfangreiche, sehr einflussreiche Bücher verfasst („Christ sein“, 1974 und „Existiert Gott?“, 1978 u.a.). Seit Mitte der 1960er Jahre setzte er sich kritisch mit dem Kirchenverständnis und den hierarchischen Strukturen der katholischen Kirche auseinander („Die Kirche“, 1967 und „Unfehlbar – eine Anfrage“, 1970). Insbesondere seine mutige Kritik am Unfehlbarkeits-Dogma trugen ihm 1979 den Entzug der Lehrerlaubnis als katholischer Theologe an der Universität Tübingen ein, die ihm dann eine freie Professur für ökumenische Theologie anbot. Dieses Angebot entsprach einem weiteren Schwerpunkt von Küngs Wirken: Dem Einsatz für die Ökumene, der bereits 1957 mit seiner Dissertation über den protestantischen Theologen Karl Barth zum Thema Rechtfertigungslehre begann. Dieses ökumenische Engagement erweiterte Küng dann ab den 1980er Jahren auf den Dialog und die Verständigung zwischen den Weltreligionen, der er zahlreiche, erneut einflussreiche Veröffentlichungen widmete („Christentum und Weltreligionen“, 1984; Umfangreiche Darstellungen einzelner Religionen u.a.). Dieser Einsatz für den Dialog kulminierte in der 1989 entworfenen „Erklärung zum Weltethos“ der Religionen, die 1993 auf der Weltversammlung der Religionen in Chicago zur Diskussion gestellt und verabschiedet wurde. Daraus erwuchs u.a. die in Tübingen ansässige „Stiftung Weltethos“, deren Präsident Küng lange Jahre war und die sich insbesondere in Bildung und Erziehung für eine interreligiöse Kooperation angesichts akuter globaler ethischer Herausforderungen einsetzt (s. https://www.weltethos.org/). Jetzt ist der berühmte Theologe, der zahlreiche Preise bekommen hat, am 6. April im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in Tübingen gestorben.

Die spezifische Bedeutung und den herausragenden Beitrag von Küng für den interreligiösen Dialog hat 2018 der Münsteraner Theologe und Religionswissenschaftler Prof. Dr. Schmidt-Leukel, der auch bei INTR°A mitwirkt, in seinem Beitrag zum 90. Geburtstag von Küng noch einmal besonders herausgestellt: Schmidt-Leukel zeigt darin eindrücklich auf, dass Küng nicht nur grundlegende Beiträge zur Fundamentaltheologie (s. die oben bereits erwähnten Werke “Christsein”, 1974 und “Existiert Gott”, 1978) und später zu einem gemeinsamen Weltethos der Religionen geleistet hat, sondern auch wie wenige zuvor die theologische Herausforderung durch andere Religionen angenommen hat und darin ein Pionier in Sachen interreligiöser Theologie war. Schmidt-Leukel entfaltet dies exemplarisch anhand von Küngs Dialog mit Judentum und Islam und mit dem Buddhismus hinsichtlich Gotteslehre und Christologie. Küng hat sich Schmidt-Leukel zufolge zum Beispiel als einer der ersten dafür stark gemacht, Muhammed als genuinen Propheten und den Koran als echte Gottesoffenbarung anzuerkennen, von der Christen wichtiges für ihre eigenes Gottesverständnis lernen können (S.112ff.). Ebenso hat er nach Schmidt-Leukel herausgearbeitet, dass der Buddhismus wichtige Anregungen für ein differenzierteres, reiferes Verständnis der Personalität Gottes geben könne (S. 115ff.). Diese Ausführungen von Schmidt-Leukel machen insgesamt deutlich, wie lohnend es ist, Küngs OEuvre gerade auch in dieser interreligiös-theologischen Hinsicht zu erforschen und auszuwerten.
(Eine kurze Rezension zu dem Band mit den Beiträgen zum 90. Geburtstag von Küng s. hier)

Schmidt-Leukel hat jetzt in einem kurzen Beitrag zum Tod von Hans Küng dessen überragenden Beitrag zur Reflexion des christlichen Glaubens angesichts von Gegenwartsfragen, zum interreligiösen Dialog und zum Frieden zwischen den Religionen noch einmal prägnant gewürdigt: Schmidt-Leukel zum Tod von Küng: Eine Datenbank für die Zukunft

Wir trauern mit allen Freundinnen und Freunden des interreligiösen Dialogs um einen großen Pionier dieses Dialogs und seiner theologischen Begründung und Begleitung! Möge der Same seiner außerordentlichen Beiträge dazu weiter aufgehen und viele Früchte tragen! Wir freuen uns, wenn wir einen kleinen Beitrag dazu leisten können.

Achim Riggert, INTR°A

Weitere, zusammenfassende Darstellungen und Würdigungen zu Küng s.
ZDF – Nachruf Hans Küng
WDR 5 – Nachruf Hans Küng von P. Schmidt-Leukel
Bayrischer Rundfunk – Hans Küng – Lebenslänglicher Reformator (Ausführl. Doku zum Tod von H.K.)
SWR3-Nachrichten – Nachruf H.Küng
FAZ- Feuilleton – Nachruf Michael von Brück
Deutschlandfunk – Zum Tod von Hans Küng
Süddeutsche Zeitung – Nachruf Hans Küng
Frankfurter Rundschau . Nachruf von H.- P. Hünermann
Wikipedia-Beitrag