Zur Geschichte von INTR°A

Zur Geschichte der Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A) 1990 - 2018

Die Anfänge

In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts erweiterten sich im südwestfälischen Raum die interreligiösen Kontakte, die von verschiedenen Gruppierungen, Kirchengemeinden und besonders von der Ev. Akademie Iserlohn, von der Universität Dortmund und der kirchlichen Lehrerfortbildung gepflegt wurden. So kam zuerst zum christlich-jüdischen Dialog der Islam hinzu. Dann wurde deutlich, dass der Dialog der drei monotheistischen Religionen („Trialog“) eigentlich nur ein Sonderfall des interreligiösen Dialogs ist.

Darum taten sich verstärkt Interessierte aus Theologie, Religionswissenschaft, Pädagogik und Ökonomie zusammen, um intensiver zu reflektieren, warum, weshalb und wie Menschen unterschiedlichen Glaubens eine gemeinsame Ebene finden können und welche die kulturellen, philosophischen und theologischen Grundlagen und Bedingungen sind.
Die entscheidenden Anstöße kamen von

Eingang zur Arbeitsstelle
„ENGEL DER KULTUREN“

Als Rahmen dieser Initiative wurde im Februar 1989 eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich am 4. September 1990 als Interreligiöse Arbeitsstelle (INTR°A) in Iserlohn konstituierte („ideeller Verein“). Die Mitglieder-Versammlungen am 18.11.2001 und 16.07.2002 beschlossen, INTR°A als e.V. beim Amtsgericht Altena eintragen zu lassen. Der offizielle Eintrag in das Amtsregister Altena erfolgte am 02.09.2002. Im Jahr 2010 wurden noch einmal einige Satzungsänderungen nötig, die am 03.02.2011 beim Amtsgericht Iserlohn eingetragen wurden.

 

 

 

Der Sitz von INTR°A: 1990 – November 2018: 58769 Nachrodt-Wiblingwerde

Leitlinien
Als Intentionen wurden herausgestellt, dass insgesamt der Gedanke von Toleranz und Versöhnung umfassend gefördert werden soll. Angesichts der Tatsache, dass unsere Welt durch mannigfaltige tödliche Bedrohungen herausgefordert wird, ist die Begegnung von Menschen verschiedener religiöser Traditionen ein „Muss“, gerade um Zukunft verantwortlich ein Stück weit mitzugestalten.

Als Motto gilt dabei das Wort eines der Mitbegründer von INTR°A,
des im November 2006 verstorbenen Dortmunder Theologen und Religionswissenschaftlers Paul Schwarzenau:

„Alle Religionen bedürfen einander, nicht nur in ihren Gemeinsamkeiten, sondern gerade auch in ihren Unterschieden, durch die sie einander ergänzen. Wir sollen in der eigenen Religion daheim und in der anderen Gäste sein, Gäste, nicht Fremde“.

Bei INTR°A wird also der Komplementaritätsgedanke wichtig, der sich sowohl in der wissenschaftlichen Arbeit wie in den praktischen Begegnungen und der Unterstützung interreligiöser Projekte ausdrückt: Gegenseitiges Verständnis und harmonisches Zusammenleben können nur auf einer Basis realisiert werden, in der der „Andere“ als sinnvoll und notwendig für die eigene Identität und Authentizität angesehen wird.

INTR°A hat für das interreligiöse Gesamtkonzept mehrfach überarbeitete Leitlinien entwickelt, die für die Arbeit wesentlich sind. Sie zeigen große Nähe zu religionspluralistischen Theologien.

  1. Dialog kann nur sinnvoll zwischen gleichwertigen Partnerinnen
    und Partnern geschehen.
  2. Absolutheitsansprüche einzelner Religionen (wie auch des Christentums) dürfen sich nur auf die Verbindlichkeit des eigenen Glaubens beziehen. Das erlaubt kein noch so verdecktes inklusives Denken, das die anderen religiösen Traditionen in irgendeiner Form als minder-wertig einstuft. Es erlaubt aber auch kein inklusives Vereinnahmen („anonyme“ Christen, Buddhisten, Muslime usw.).
  3. Das Missionsverständnis (besonders des christlichen Glaubens) ist im
    Sinne eines persönlichen Zeugnisses und Engagements zu interpretieren, ohne dabei die anderen zur eigenen Glaubensweise bekehren zu wollen.
  4. Die verschiedenen Religionen drücken nicht endgültige Wahrheit aus.
    Sie sind sprachliche, rituelle und spirituelle Annäherungen an das Transzendente. Ihre Aussagen sind vorläufig und bleiben revisionsbedürftig.
  5. Religionen sind eingebunden in vielfältige Kulturen und differierende Denkweisen. Sie sind darum als unterschiedliche Wege zum Heil zu verstehen.
  6. In einer globalisierten Welt kann keine Religion mehr für sich leben, sondern nur in Beziehung mit anderen. Interreligiöse Begegnung ist darum Herausforderung und Bereicherung zugleich, m.a.W. die anderen religiösen Anschauungen sind notwendig im Sinne der Komplementarität als des ergänzenden Verstehens durch den Anderen.

Die Präsentation im Internet bis 2018

Die Mitglieder von INTR°A stammen aus Europa, den USA und aus Asien
(87 Mitglieder, Stand: 31.12.2017). Die meisten kommen aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien, einige jedoch auch aus Indien und den USA. Sie treffen sich zu thematisch orientierter Arbeit (auf Konferenzen und Tagungen) und zu praktischen Begegnungen mit anderen Religionen, wobei eine Reihe von Kontakten mit islamischen, hinduistischen und buddhistischen Gruppierungen und Einzelpersonen, sowie Vertretern der Baha’i-Religion bestehen. Darüber hinaus wird der Kontakt zu Einrichtungen besonders gepflegt, die den Gedanken der Multikulturalität und Interreligiosität modellhaft umsetzen.

Auch bekannte Wissenschaftler/innen sind bzw. waren Mitglieder.
Zu den verstorbenen Persönlichkeiten zählten u.a.:

 

Die religionswissenschaftliche und religionspädagogische Arbeit

Die Arbeitsstelle wird von einer Reihe  interreligiös engagierter Persönlichkeiten kompetent beraten, zumal diese verschiedenen religiösen Traditionen angehören.
Forschungsmöglichkeiten, Projekte interreligiösen Lernens und vertiefte Informationen sollen nicht nur durch praktische Begegnungen, Konferenzen, Meditationen und durch die Aufarbeitung einschlägiger Literatur ausgeweitet und weiter vermittelt werden, sondern auch durch ein Kontinuum, das diese Arbeit reflektiert. Die interne Dokumentation enthält auch einen ausführlichen Briefwechsel von 1988/1989 bis zum November 2018.

Die wissenschaftlich orientierte Publikationsarbeit geschah von 1990 bis 2006 in besonderer Weise durch die Reihe Religionen im Gespräch (RIG 1-9), umfangreiche Bände, die alle zwei Jahre erschienen und Schwerpunktthemen des interreligiösen Dialogs aufnahmen.

Diese Arbeit wurde von einem Beirat begleitet, dem bekannte Wissenschaftler/innen angehörten.

Alle RIG-Bände sind durch einen gleichen Aufbau in ihrer Struktur überschaubar und sollen damit das systematische Arbeiten erleichtern. So gehören neben der Bearbeitung eines Themenschwerpunktes, Grundsatzbeiträge, Berichte und Dokumente dazu. Sie wurden durch Rezensionen und Bibliografien ergänzt.

 

Die einzelnen RIG-Themen von 1990 bis 2006: 

Alle RIG-Inhaltsverzeichnisse: hier

  • RIG 1/1990: Gemeinsam vor Gott. Religionen im Gespräch
  • RIG 2/1992: Engel – Elemente – Energien
  • RIG 3/1994: Interreligiöser Dialog zwischen Tradition und Moderne
  • RIG 4/1996: Wertewandel und religiöse Umbrüche
  • RIG 5/1998: Die dialogische Kraft des Mystischen
  • RIG 6/2000: Hoffnungszeichen globaler Gemeinschaft
  • RIG 7/2002: Neue Herausforderungen für den interreligiösen Dialog
  • RIG 8/2004: Wegmarken zur Transzendenz.
    Interreligiöse Aspekte des Pilgerns.
  • RIG 9/2006: Europa im Orient – der Orient in Europa

Auswahl von Texten aus RIG 1 – RIG 9 zum Download: hier

In den Jahren 1998 und 1999 erschienen außerdem die Reihe
Interreligiöse Horizonte (IH) in 5 Bänden (Böhlau-Verlag Köln), u.a.
mit einer Festschrift für Paul Schwarzenau zum 75. Geburtstag und zwei weiteren Bänden mit Aufsätzen des Jubilars.
Inhaltsverzeichnisse aller 5 Bände: hier

Außerhalb der Reihe wurden Texte der INTR°A-Mitglieder John Hick
und Míkel de Epalza publiziert (Verlag Lembeck Frankfurt/M.)

  • John Hick: Gott und seine vielen Namen.
    2001, 2. Aufl. 2002, 215  S.
    — Überarbeitete, aktualisierte und erweiterte Auflage 2012
    als PDF-Datei: hier
  • Míkel de Epalza:
    Jesus zwischen Juden, Christen und Muslimen. Interreligiöses Zusammenleben auf der Iberischen Halbinsel
    (6. – 17. Jahrhundert) — 2002, 303 S.
    — Aktualisierte und erweiterte Auflage 2012
    als PDF-Datei: hier

Die Schnittstelle zwischen religionspädagogischer Praxis und wissenschaftlicher Analyse bildete die Heftreihe: Iserlohner Con-Texte (ICT) mit insgesamt 18 Ausgaben von 1983 bis 2003.

Herausgeber: Paul Schwarzenau und Reinhard Kirste
Einige dieser Hefte wurden überarbeitet und als PDF-Datei
2009 und 2010 neu herausgegeben.
Alle Informationen zu den ICT-Heften: hier

Nach dem Auslaufen der RIG-Reihe im Jahr 2006 erfolgten Veröffentlichungen wesentlich stärker über das Internet und durch Aufsätze, Buchbeiträge und Bücher der jeweiligen Autorinnen und Autoren.

INTR°A erhielt bereits 1996 eine eigene Webseite. Sie wurde zuerst über den Server der Hogeschool Holland in Diemen bei Amsterdam geführt (ehrenamtlicher Webmaster: Dr. Marien van den Boom). Ab dem Jahr 2000 übernahm Bruno Bruyers (Iserlohn) die Funktion des (ehrenamtlichen) Webmasters im Rahmen eines deutschen Servers, zuerst mit der Adresse http://home.t-online.de/home/interrel und schließlich mit der Domain: www.interrel.de und ausführlicherer Gestaltung durch Bruno Bruyers (bis zu seinem Tod im Mai 2014).

Die „alte“ INTR°A-Homepage bis 2014

 

Die Übersichtsseite mit Weiterleitungen der alten INTR°A-HomepageZur besseren Lesbarkeit auf diese beiden Bilder klicken!

 

Die INTR°A-Willkommensseite mit entsprechenden Informationen und Weiterleitungen präsentierte sich bis 2018 im Rahmen einer besonders arrangierten Blogseite.
Details: hier 

Ausschnitt aus der INTR°A-Webseite bis 2018

Sie wurde inzwischen inhaltlich überarbeitet und aktualisiert und ist jetzt als Seite
ORIENTIERUNGEN  verfügbar, und zwar mit aktuellen Nachrichten, meditativen Texten, Links zur InterReligiösen Bibliothek und Materialien zur
INTR°A-Geschichte 
seit 1990.

 

Neben der Webseite wurden aus der Arbeitsstelle in Nachrodt regelmäßig sowohl interne Mitglieder-Informationen als auch Nachrichten per E-Mail verschickt.

Diese INTR°A-Newsletter von 2013 – 2018 bleiben über das Internet weiterhin direkt abrufbar – Der Link: hier

Die Digitalisierung und die verstärkte Arbeit mit dem Internet haben generell dazu geführt, dass sich auch die Strukturen der Literatur-Recherche geändert haben. Es geht inzwischen weniger um die Ausleihe von Büchern als um die Möglichkeit des digitalen Direktzugangs.
Die Verbindung zur InterReligiösen Bibliothek (IRB) von Karin und Reinhard Kirste erwies sich von daher zunehmend als sinnvolle kooperative Schnittstelle.
Dazu gehört auch als Orientierung die Dialog-Übersichtsseite  sowie die Nachrichtenseite aus Religion und Welt  in den Blogs von Karin und Reinhard Kirste.
Hier erscheint auch in unregelmäßigen Abständen ein Newsletter.
Details: hier

Jährlich wurde auch vom Vorstand ein INTR°A-Jahresbericht vorgelegt:
Jahresberichte aus der Arbeitsstelle 2005 – 2018

Für die gesamte Arbeit spielten die INTR°A-Jahrestagungen als Begegnungs- und Austauschmöglichkeit nicht nur für die Mitglieder eine große Rolle:

Der INTR°A-Projektpreis für Komplementarität der Religionen

Als besonderen Höhepunkt der INTR°A-Arbeit muss die jährliche Verleihung des INTR°A-Projektpreises für Komplementarität der Religionen seit dem Jahr 2000 gelten. Die Arbeitsstelle vergibt diesen Preis in Höhe von 5000 € (durch freundliche Zuwendung der Stiftung „Apfelbaum“ aus Köln), um so zukunftsweisende Projekte interreligiöser Begegnung zu fördern. Diese sollten bereits den Erweis einer nachhaltigen Wirkung erbracht haben, m.a.W. der Preis geht an Einrichtungen, Gruppen und auch Einzelpersonen, die ein Projekt interreligiösen Charakters entwickelt und durchgeführt haben. Wie der öffentlichen Ausschreibung entnommen werden kann, soll das Projekt im wissenschaftlichen, erzieherischen, schulischen, ökonomischen, juristischen, also im umfassend gesellschaftlichen Kontext angesiedelt sein. Die Verleihung fand bisher im Rahmen einer Tagung statt.

INTR°A-Projektpreis für Komplementarität der Religionen 
Verleihungen mit Berichten und Dokumentationen von 2000 – 2017

Kooperationen und Personen

INTR°A unterhält Kontakte zu in- und ausländischen, ebenfalls interkulturell arbeitenden Einrichtungen. Eine Übersicht: hier

INTR°A finanziert sich allein aus Spenden. Die gesamte Arbeit geschah bisher ehrenamtlich. Das setzte natürlich ein Engagement der Mitglieder voraus, das sich zum einen regional auswirkt und zum anderen Mitarbeiten an Projekten, Tagungen und Buchveröffentlichungen betrifft, die überregional geplant sind.

INTR°A-Mitglieder sind darüber hinaus auch im eigenen Lebensumfeld interreligiös engagiert. Hier ein Blick auf die verschiedenen Tätigkeiten – (nach Orten) zusammengestellt.

Dem INTR°A-Vorstand gehörten an – von November 2012 bis November 2018:

  • Prof. Dr. Udo Tworuschka, Bad Münstereifel
    (Vorsitzender seit der INTR°A-Gründung 1990)
  • Dozentin Dr. Alice Schumann, Köln
    (stellvertretende Vorsitzende)
  • Pfarrer Dr. Reinhard Kirste
    (stellvertretender Vorsitzender und Koordinator seit 1990)
  • Schulreferent Bart ten Broek, Den Haag, Niederlande,
  • Lektorin Silke Wollinger-Helwig, Esslingen.
  • Kooptiert wurden: Werner Heidenreich, Köln und Rabeya Müller, Köln

Mehr zur Weiterentwicklung seit 2019: hier

Ältere Berichte von Reinhard Kirste über die Interreligiöse Arbeitsstelle (INTR°A): 

  • Die Interreligiöse Arbeitsstelle (INTR°A) in Nachrodt (RIG 2/1992, S. 502-508
  • Interreligiöse Arbeitststelle (INTR°A). Interreligiöse Begegnungen und das Experiment
    des West-östlichen Divans. Zwischenbilanz 1995-1998 (RIG 5/1998, S. 543-548)
  • Die Interreligiöse Arbeitsstelle (INTR°A) e.V.: Begegnung der Religionen in Praxis und Theorie. In: Johannes Lähnemann (Hg.): Visionen wahr machen. Interreligiöse Bildung auf dem Prüfstand. Referate und Ergebnisse des Nürnberger Forums 2006. Pädagogische Beiträge zur Kulturbegegnung Bd. 26. Hamburg: EB-Verlag 2007, S. 222–228
  • The Institute of Interreligious Studies in Germany – Interreligiöse Arbeitsstelle (INTR°A) e.V. (Panorama  Vol. 19 / Summer-Winter 2007, p. 14-16)

Reinhard Kirste
aktualisiert am 17.07.2019

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here