Dankesrede zum INTR°A-Ehrenvorsitz

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Sehr geehrte INTR.A-Mitglieder,

„da ein Ehrenvorsitzender wenig zu sagen hat, muss er viel reden“ – so formulierte der Anglist Theo Stemmler einmal die Aufgaben des Bundespräsidenten. Der einstige Chefredakteur des „Stern“, Henry Nannen, antwortete nach seiner Verabschiedung und der Ernennung zum Herausgeber, was das denn sei, lapidar: „So eine Art Grüßaugust“.

So gewarnt, werde ich also als Ehrenvorsitzender versuchen, zwischen der Scylla des Vielredners und der Charybdis des Grüßaugusts hindurchzulavieren. Ungezählte universitäre Fakultätsratssitzungen haben ohnehin dazu geführt, dass ich mich in der Regel sehr kurz fasse.

Ehrenvorsitzender von INTR.A zu sein erfüllt mich einerseits mit Genugtuung; denn wie ich auf der von Reinhard Kirste so sorgsam gepflegten INTR°A-Homepage zwar nicht schwarz auf weiß, dafür aber in freudigem Bunt lesen kann, gehöre ich ja wohl zu den dienstältesten INTR°A-Aktivisten – zusammen mit dem unvergesslich-originellen Freund Paul Schwarzenau und dem Kreativ-Dynamiker und INTR°A-„Urvater“ Reinhard Kirste. Ich sprach von Genugtuung, die mich erfüllt. Dem ist jedoch ein anderseits hinzuzufügen: Es schmerzt mich nämlich sehr, dass Reinhard nicht ebenfalls zum Ehrenvorsitzenden gewählt worden ist. Wenn einer es verdient hat, dann doch er!

Seitdem ich von dem Vorhaben, mich zum Ehrenvorsitzenden zu wählen, Kenntnis erhielt, habe ich hin und her überlegt, was ich bzw. Monika & ich Reinhard Ehrenvolles `antun` können. Ziemlich schnell sind wir auf den Gedanken gekommen, ihm und Karin unser neues Buch über „Die großen Religionsstifter“ zu widmen.

Details: https://www.springer.com/de/book/9783476047762

Die Widmung befindet sich an einer prominenten Stelle des Buches und lautet: „Karin und Reinhard Kirste für ihre Verdienste um den interreligiösen Dialog gewidmet“. Reinhard, was wärst Du ohne Karin?! Bekanntlich steht hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau, die ihm den Rücken stärkt. Karin und Reinhard sind gewissermaßen die INTR°A-Ur-Eltern. Dies zu sagen ist mir angesichts der Verleihung des Ehrenvorsitzes ein ausgesprochenes Anliegen.

Für INTR°A, für die interreligiöse Verständigung, haben sich so viele Menschen engagiert, dass es unmöglich ist, sie alle zu nennen. Wie so oft reduziert sich alles wieder auf die Promis. Wie heißt es doch so schön in der Dreigroschenoper: „Denn die einen sind im Dunkeln, und die andern sind im Licht und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht“. Nur ein paar klangvolle Namen wenigstens: Hasan Askari, Lionel Blue, John Hick, mein Mentor und Freund Abdoldjavad Falaturi, Annemarie Schimmel, Ulrich Schoen und der leider nicht nur hier zu vergessen drohende „Sir“ Dr. Herbert Schultze.

Unsere Mitglieder stammen aus Europa, den USA und aus Asien, vor allem aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien, einige auch aus Indien und den USA. Sie treffen sich auf Konferenzen und zu praktischen Begegnungen mit anderen Religionen. Es bestehen Kontakte mit islamischen, hinduistischen und buddhistischen Gruppierungen. Darüber hinaus pflegen wir Kontakt zu Einrichtungen, die den Gedanken der Multikulturalität und Interreligiosität modellhaft umsetzen.

Ein Highlight in der Geschichte von INTR°A war die Herausgabe des Jahrbuches „Religionen im Gespräch“ (RIG) – jeder Band ein Buch-Ereignis mit einer schier unglaublichen Fülle an Grundsatzüberlegungen, praktischen Beispielen, Informationen über Ereignisse und Veröffentlichungen. Die Liste des wissenschaftlichen Beirates liest sich wie ein interreligiöses Who is Who: Matthew Fox, John Hick, Jonathan Magonet, Ulrich Schoen, Jan Slomp, Leonard Swidler, Karl-Wolfgang Tröger, Paul Weller, Anton Wessels usw. usw.

Seit 1996 besitzt INTR°A eine im Laufe der Jahre sehr stark frequentierte Website, einen eigenen Newsletter. Jährlich fanden spannende Tagungen statt. Seit 2000 verleihen wir den
INTR°A-Projektpreis für Komplementarität der Religionen mit Unterstützung der Stiftung Apfelbaum.

Ich breche hier ab: An all dem Genannten habe ich nur einen bescheidenen Anteil gehabt, und ich bitte Sie, dies nicht als understatement oder als bloßes fishing for compliments zu verstehen. Ohne mich würde INTR°A existieren und gedeihen. Nicht aber ohne das INTR°A-Urelternpaar Karin & Reinhard Kirste, deren gewaltige Lebensleistung zum Wohle dieser kleinen aber feinen interreligiösen Arbeitsstelle hervorzuheben, mir ein großes Anliegen als Ehrenvorsitzender ist.

Möge die Zukunft INTR°A gewogen sein und INTR.A zu einem Anker in einer für den interreligiösen Dialog nicht eben leichten Zeit machen.

Ich wünsche INTR°A, in der ich neben Karin & Reinhard die ehrenvolle Aufgabe wahrnehmen durfte, meinen bescheidenen Anteil an Expertise beizusteuern, alles Gute für die Zukunft! Meinen Rat steuere ich zukünftig gern bei.

Ad multos annos, INTR°A !

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